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So langsam wird’s Ernst:

In 9 Tagen starte ich bei meinem ersten Triathlon. Und natürlich werde ich im Ziel ankommen. Irgendwie. Egal wann. Egal wie. Denn wir reden hier immerhin vom größten Triathlon der Welt, dem ITU World Triathlon Hamburg! Mit einem Wahnsinns-Zieleinlauf über blauen Teppich bis auf den Hamburger Rathausmarkt. In meiner Heimatstadt und vor tausenden von Zuschauern! Wow. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. DAS werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Dieses Gefühl und den ganz persönlichen Triumph.

Wer keine Ahnung hat, wovon ich rede, sollte sich entweder den Film ‚Wechselzeiten – Auf dem Weg zum ersten Triathlon‘ anschauen (sehenswert!) oder die 3D-Streckenanimation genießen (vor allem das Ende!). Und für alle, die dann das Fieber packt: Vielleicht ergattert ihr ja noch einen der kurzfristig frei gewordenen Restplätze…

„Die Form ist gemacht“

Etwas mehr als eine Woche noch. Statt hartem Training zählt immer mehr Regeneration und lockere Bewegung. „Die Form ist gemacht“ heißt es im Wechselzeiten-Film rund 10 Tage vor dem Wettkampf. Oha. Neben Vorfreude, Begeisterung und kribbeliger Aufregung macht sich da auch eine ordentliche Portion Nervosität breit. Denn so selbstverständlich ist es nicht, dass ich die vergleichsweise kurze Sprintdistanz locker schaffe. Immerhin war meine Anmeldung als Ersatz-Teilnehmerin eine spontane Aktion. Für die meist auf 10-12 Wochen ausgelegten Standard-Trainingspläne war da schon längst keine Zeit mehr. Die tollen Rookie-Trainings ausgebucht und ohnehin schon mittendrin. Aber nun ja, 500 Meter Schwimmen oder 5 km Laufen konnte ich immerhin schon – und auch für 22 km Radfahren reichte es so gerade. Nur alles direkt hintereinander weg, auf Zeit, mit Rennrädern um mich herum. Puh. Das ist nochmal was ganz anderes. Immerhin, im Moment fühle mich so fit wie nie, bin ein wenig stolz auf meine letzten Wochen und freue mich täglich über mein neues Fahrrad (nein, kein Rennrad). Ach ja, und den schnittigen Triathlon-Anzug konnte ich mir letztlich nicht verkneifen. Optisch fast ein Profi ;-). Aber mal ehrlich: Es ist schon Wahnsinn, was diese modernen Funktionsstoffe leisten. Keineswegs ein Muss, aber für mich erhöht es den Spaß an der Sache. Was will man mehr? Also, falls nächste Woche die Muskeln schwächeln, wird mein Wille mich trotzdem ins Ziel tragen. So ein norddeutscher Dickschädel ist nicht zu unterschätzen!

Wenn plötzlicher Kampfgeist den inneren Schweinehund platt macht

Aber warum tue ich mir das eigentlich an? Die Frage hat mich glatt überrascht, als sie mir das erste Mal gestellt wurde. Tatsächlich habe ich darüber nie bewusst nachgedacht. Die Herausforderung hat mich einfach gereizt. Und die Stimmung an der Strecke. Vor ein paar Jahren habe ich mit dem (mehr oder weniger) regelmäßigen Laufen angefangen, weil es mich gewurmt hat, keine 5 km zu schaffen. Und dann kam der Spaß dazu. Jetzt will ich mir vielleicht einfach selbst beweisen, dass ich einen Triathlon schaffe. Auch ohne Kraulen zu können. Das lerne ich dann fürs nächste Jahr. 😉 Mit diesem unerklärlichen, spontan aufgekommenen Kampfgeist, der jeden inneren Schweinehund platt macht, befinde ich mich aber offensichtlich in guter Gesellschaft: Denn wer mal anderen Triathleten zuhört, wie sie über ihre Anfänge reden, stellt schnell fest, dass viele vor allem von Neugierde zusammen mit der Lust auf eine besondere Herausforderung getrieben wurden. Und dann kam die Leidenschaft.

Triathleten: verrückt oder was?

Irgendwo habe ich letztens gelesen, Triathlon sei für diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass eine Disziplin anstrengend genug ist. Dachte ich auch mal. Jetzt mag ich die Abwechslung dabei: Wenn ich im Training keine Lust auf Laufen habe, gehe ich halt Schwimmen – oder Radfahren. Fast immer draußen an der frischen Luft, wo Regen und Wind schnell zur ersehnten Abkühlung werden. Und als vermeintliche Ausnahmeerscheinung im Kreise der Triathleten habe ich sogar Spaß am Schwimmen. Ich liebe das Wasser! Auch wenn ich ohne Kraultechnik hier sicher keinen Blumentopf gewinne. So oder so: Vielleicht sind Triathleten ein wenig verrückt. Vielleicht sind es Frischluftfanatiker, die sich nicht entscheiden können. Und vielleicht versteht man es erst, wenn man es ausprobiert. Auf jeden Fall bin ich stolz, in ein paar Tagen endgültig dazuzugehören! Wenn ich meinen ersten Triathlon gefinisht habe. Wenn ich keinen Schritt mehr gehen mag, aber voller Euphorie bin. Wenn ich weiß, dass es nicht der letzte war.

Hach, und da ist es wieder, dieses Kribbeln…